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Notarztreform in NÖ: Schließungen ab 2027, Community Nurses erst 2028 im Regelbetrieb

In Niederösterreich sollen bereits ab April 2027 elf Notarztstützpunkte schließen. Die sogenannten Acute Community Nurses (ACN), ein wichtiger Bestandteil der geplanten Gesundheitsversorgung, sollen jedoch erst 2028 flächendeckend verfügbar sein. Entgegen der ursprünglichen Vereinbarung im Gesundheitsplan 2040+ fallen laut SPÖ Niederösterreich bestehende Strukturen weg, bevor die vereinbarten neuen Angebote vollständig zur Verfügung stehen.

Im Rahmen des Gesundheitsplans 2040+ organisiert die schwarz-blaue Landesregierung in Niederösterreich die regionale Gesundheitsversorgung neu. Diese Umstrukturierung sieht vor, die Zahl der Notarztstützpunkte mit Notarzt-Einsatzfahrzeugen von 32 auf 21 zu reduzieren. Ab April 2027 sollen damit elf bisherige Standorte wegfallen:

Aspang (Neunkirchen)

Groß-Enzersdorf (Gänserndorf)

Groß Gerungs (Zwettl)

Hainburg (Bruck/Leitha)

Klosterneuburg (Tulln)

Pöggstall (Melk)

Purkersdorf (St. Pölten)

Raabs an der Thaya (Waidhofen/Thaya)

Retz (Hollabrunn)

Waidhofen an der Ybbs

Ybbs an der Donau (Melk)

Die geplante Reform setzt auf zusätzliche Kompetenzen für Sanitäterinnen und Sanitäter sowie neue Versorgungsangebote. Dazu zählen auch die Community Nurses (ACN).

Mobile Akutpflege ergänzt die Notarztversorgung

Acute Community Nurses sind speziell ausgebildete Pflegekräfte, die Menschen mit akuten gesundheitlichen Problemen direkt zu Hause versorgen. Neben einer Ausbildung in der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege haben sie auch eine Notfallsanitäter-Ausbildung absolviert. Dadurch können sie beispielsweise nach Stürzen helfen, Wunden versorgen oder Menschen mit akuten Beschwerden betreuen. Ziel ist es, unnötige Krankenhausfahrten zu vermeiden und Rettungsdienste zu entlasten. „ACN ersetzen aber keine Notärzte“, betont Christian Fohringer, Geschäftsführer der Notruf Niederösterreich GmbH.

Acute Community Nurses (ACN) im Pilotbetrieb, Regelbetrieb folgt erst 2028

Derzeit arbeiten die mobilen Akutpflegekräfte an sechs Pilotstandorten: Baden/Leobersdorf, Bruck an der Leitha, Haag, Stockerau, St. Pölten und Waidhofen an der Thaya.

Ab 2028 sollen insgesamt zehn ACN-Standorte in den Regelbetrieb übergehen. Gesundheitslandesrat Martin Antauer (FPÖ) sieht sich „ absolut im Zeitplan “. Aus Sicht der SPÖ Niederösterreich liegt genau darin das Problem: Dieser Zeitplan sieht vor, dass Notarztstützpunkte schließen, bevor die ACN im Regelbetrieb sind.

„Reihenfolge verwechselt“: SPÖ Niederösterreich äußert scharfe Kritik

Rund um diese geplanten Schließungen hat sich ein Konflikt entsponnen: Die SPÖ Niederösterreich kritisiert, dass die neuen Angebote noch nicht ausreichend erprobt sind, und erste Gemeinden wehren sich gegen die Pläne der schwarz-blauen Landesregierung. Aus Sicht der SPÖ Niederösterreich ist der von Landesrat Antauer bestätigte Zeitplan der Beleg: Notarztstützpunkte werden abgebaut, bevor alle neuen Angebote flächendeckend verfügbar sind.

„Wer 2027 bestehende Strukturen abbaut und einen vereinbarten Baustein des neuen Systems erst 2028 in den Regelbetrieb bringt, hat die Reihenfolge verwechselt“, mahnt SPÖ-Landesparteivorsitzender und Kontroll-Landesrat Sven Hergovich in einer Presseaussendung.

Geplante Schließung des Notarztstützpunkts in Raabs an der Thaya betrifft drei Versorgungsangebote

Welche Herausforderungen die Umstrukturierung des Gesundheitssystems gerade in ländlichen Regionen mit sich bringt, zeigt sich in Raabs an der Thaya im Bezirk Waidhofen. Dort verbindet das Modell „NEF 141 Raabs“ seit rund 20 Jahren drei unterschiedliche Aufgaben: die Notarztversorgung, den ärztlichen Nachtdienst und die medizinische Betreuung des örtlichen Pflegezentrums.

Bei einer Schließung des Standortes müsste deshalb nicht nur die Notarztversorgung neu organisiert werden. Auch für den ärztlichen Nachtdienst und die Betreuung des Pflegezentrums wären entsprechende Lösungen notwendig. Eine regionale Initiative setzt sich deshalb für den Erhalt des Modells „NEF 141 Raabs“ ein und fordert, Raabs als besonderes Versorgungsprojekt weiterzuführen.

„Gerade Raabs an der Thaya zeigt, wie falsch es wäre, funktionierende Notarztstrukturen nach einem starren Zeitplan abzubauen. Wer einen derartigen Stützpunkt schließen will, muss zuerst beweisen, dass die Versorgung danach mindestens genauso gut funktioniert“, warnt der SPÖ-Landtagsabgeordnete Michael Bierbach.

SPÖ bekräftigt Forderung: Erst die Ersatzversorgung, dann Umstrukturierung

Die SPÖ Niederösterreich sieht sich durch den Zeitplan beim ACN-Ausbau in ihrer bisherigen Kritik an der Notarztreform bestätigt. Grundsätzlich begrüßt die Partei den Ausbau der mobilen Akutpflege. Entscheidend sei jedoch, dass die neuen Angebote bereits funktionieren, bevor bestehende Notarztstützpunkte wegfallen.

„Seit Monaten verlangen wir, dass zuerst die versprochenen Verbesserungen umgesetzt, ausreichend erprobt und ihre Wirksamkeit nachgewiesen werden müssen, bevor man an Umstrukturierungen bei den Notärzten denkt. Genau so wurde es ja auch ursprünglich vereinbart. Jetzt bestätigt die schwarz-blaue Landeskoalition mit ihrem eigenen Zeitplan, dass diese Voraussetzungen noch lange nicht erfüllt sind. Damit kann es auch keine Schließungen von Notarztstützpunkten geben!“, verdeutlicht Hergovich den Standpunkt der Partei.

Bierbach schließt sich der Kritik an: Gerade in ländlichen Regionen mit langen Anfahrtswegen müsse die Landesregierung sicherstellen, dass die neuen Strukturen zumindest die bisherige Versorgung gewährleisten können.

„Unsere Forderung bleibt daher glasklar: Kein Notarztstützpunkt darf geschlossen werden, bevor der mindestens gleichwertige Ersatz tatsächlich vorhanden, erprobt und funktionsfähig ist. Gerade in Raabs mit seinen weiten Wegen darf die Bevölkerung nicht zum Versuchskaninchen für einen politischen Zeitplan von ÖVP und FPÖ werden. Erst Ersatz schaffen – dann über Veränderungen reden!“, so Bierbach.

me=“meinbeitrag“][/sc] Der Beitrag Notarztreform in NÖ: Schließungen ab 2027, Community Nurses erst 2028 im Regelbetrieb erschien zuerst auf NÖ Aktuell .

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